Aus Thema Musik Ecke, Stammtisch & Diskussionsrunde

Fasching beerdigen oder eingraben.

Als Musikant erlebte ich schon viele Faschingsdienstage. Es ist der letzte Tag der närrischen Saison, wo rituell um Mitternacht der Fasching eingegraben wird. 1989 musizierte ich in Grafing bei München, wo gegen 23.30 die Narren noch einmal aktiv wurden. Ein bemitleidenswerter Narr war ausgewählt worden, der den Fasching symbolhaft darstellen sollte. Er verschwand mit ein paar Burschen in den Keller. Nun wurde noch ein Pfarrer ausgewählt der eine Beerdigungszeremonie durchführen sollte. Die Wahl viel auf meinen Musikerkollegen. Er bekam einen schwarzen Umhang und einen Zylinderhut. Einige Narren wurden in weiße Tücher und Decken gehüllt und bekamen Kerzen, sie sollten Messdiener sein. Einer von ihnen bekam noch einen Wassereimer mit Klobürste als Weihwasserkessel. Nun kamen die in den Keller Entschwundenen mit dem „Fasching“ zum Vorschein. Er wurde in einem Sautrog als Sargersatz herein getragen und in der Saalmitte abgestellt. Die Narren, hier vor allem die Weiber, ließen großes Wehklagen hören. Der Pfarrer begann eine kurios-feierliche Messe zu lesen. Dann forderte er die Narren und alle Gäste auf, am Ende jeden Satzes seiner Litanei doch ihre letzten Getränke- und Essensreste über dem im Sarg liegenden „Fasching“ zu kippen. Dieser Aufforderung kamen alle - und auch ich - gerne nach. Der bedauernswerte Tropf im Sautrog war binnen kurzem von allerhand Flüssigkeiten begossen und von unappetitlichen Essensresten, inklusive Zigarettenkippen, zugeschüttet.

Um Mitternacht war der Spuk vorbei. Der Pfarrer bedankte sich bei allen und der „Fasching“ wurde mit großem Lebewohl und Geheule im Sautrog weggetragen. Der Fasching 1989 war tot und wir Musiker begannen unsere Instrumente zusammenzupacken. Irgendwann tauchte auch der alte „Fasching“ geduscht, und mehr oder weniger frisch erstanden, wieder auf. Wir Musikanten gingen auch zum Umkleiden. Doch wo war denn meine Kleidung? Was war das? In einer Ecke lag ein versiffter, stinkender Haufen Stoff: meine Hose, Hemd und Jacke! Hatte doch der „Fasching“ tatsächlich mein Gewand angezogen, und sich dann in den Sautrog gelegt! Und ich hab’ nicht bemerkt, dass er meine Sachen an hatte, und hab’ auch noch schön Bier darüber gekippt. An diesem Aschermittwoch bin ich in meinen Faschingssachen zuhause angekommen, plus einen Plastikbeutel ekliger Wäsche.

Ihr Didldu Moderator, Didldu-Robert

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