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Altbestand seit 2013
Veröffentlicht 05. November 2013 3261 Aufrufe

Aus Thema Musikwissenschaft

Liebe Musik Experten,

ich habe eine wichtige Frage bezüglich meiner Masterarbeit.
Könnt ihr mir sagen, was "Leichte Musik", "Schwere Musik" und "Neutrale Musik" sind? Bzw. was fällt unter
diese Kategorien? Welche Musikrichtungen?
Ich wäre euch wirklich sehr dankbar wenn ihr mir weiterhelfen könntet, oder mir Tipps geben würdet, an wen
ich mich wenden kann...

Viele Grüße

Veröffentlich über Didldu Musik


Community Antwort Beiträge

Von Didldu-Robert
Mitglied, Moderator, Premium seit 2012
Veröffentlicht 08. November 2013

Hallo misitemanko!

Musik zu klassifizieren und einzuteilen ist enorm schwierig, wo beginnt eine Richtung und wo endet diese? Die Grenzen sind fließend. Beginnen wir mit der Leichten Musik, ich kenne die Bezeichnung Leichte Musik eigentlich vom Hörfunk her. Da ich in Bayern wohne möchte ich stellvertretend für viele Rundfunkanstalten hier den Bayerischen Rundfunk (BR) mit drei Programmen Beispielhaft nehmen:
Das Programm BR 1 bringt überwiegend Unterhaltungsmusik. BR 3 bringt Rock- und Popmusik. BR 4 bringt Klassik.
Leichte Musik (Auch Seichte Musik genannt) steht umgangssprachlich für Unterhaltungsmusik (U-Musik), im Bezug zu vielen Musikstilen von der Klassik über Rock bis zum Jazz. Unterhaltungsmusik (Leichte Musik) wurde oft abwertend beurteilt, da die musikalischen Zusammensetzungen, Harmonisierungen (z.B. Akkorde auf Stufen I, IV, V ), Gewohnheit (dem Vertrauten) und simple Eingängigkeit basieren. Die U-Musik stellt heute den größten kommerziellen Musikmarkt.
Mit dem Begriff Schwere Musik verbinde ich Klassische Musik, auch als Ernste Musik (E-Musik) genannt. Klassik ist allerdings als Überbegriff zu verstehen für Musik von der Gotik, Renaissance, des Barock, der eigentlichen Klassik (von 1750 bis etwa 1820), der Romantik, des Impressionismus bis zur Neuen Musik. Schwere Musik (Ernste Musik) ist für mich u. a. Musik von Richard Wagner oder Beethoven, wobei viele ernste Komponisten um Geld zu verdienen auch leichte Musikstücke und Tänze, oft auch in Anlehnung an Volksweisen komponierten.
Neutrale Musik ist kein Musikstil, sondern eher Musik die man als Hintergrund im Kaufhaus, in Bistros, Kaffeehäuser, beim Friseur, im Fahrstuhl etc. hört. Meist bedient man sich dabei aus dem Repertoire aus der U-Musik. Auch Filmmusik kann Neutrale Musik sein und auch die Musik, die z.B. beim Bayerische Fernsehen bei der so genannten „Space Night“ (Bilder aus dem All) zu hören ist.

Zur weiteren Vertiefung würde ich das Buch „Geschichte der Musik“ von Karl H. Wörner empfehlen, dies ist ein gutes Studien- und Nachschlagwerk, trotz des Alters. Ich selbst besitze die 7. Auflage von 1980, das Buch gibt es jetzt bereits in der 8.Auflage neu überarbeitet von Wolfgang Gratzer 1993. Den Inhalt des Buches kannst Du bei „Amazon“ anschauen.

Ihr Didldu Moderator, Didldu-Robert

Von Didldu-Robert
Mitglied, Moderator, Premium seit 2012
Veröffentlicht 10. November 2013

Hallo misitemanko

Teils, teils, die so genannte Leichte Musik wird in dem acht Bändigen Werk: „Das grosse Lexikon der Musik - Herausgegeben von Honegger/Massenkeil im Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1987:

… als eine umgangssprachliche Bezeichnung für Unterhaltungsmusik betrachtet. Als Sammelbezeichnung für alle Musikgattungen und Stilarten von der modernen Popmusik (elektronischen Medien) bis zu den populären Werken des Konzertrepertoires des 17. bis 19. Jh. Bereits Immanuel Kant beschreibt 1790 in seiner „Kritik der Urteilskraft“ die sog. Tafelmusik als ein wunderliches Ding, welches nur als angenehmes Geräusch … unterhalten soll, ohne dass jemand auf die Komposition seine Aufmerksamkeit verwendet.

Diese Musik ist sozusagen Neutral, Neutrale Musik, so wie ich sie definieren würde. Die Tafelmusik ist die traditionelle Hintergrundmusik zum Essen.

Zur Neutralen Musik kann ich keine Literarischen Quellenbezüge angeben. Ich denke aber es kann sich nur um Hintergrundmusik handeln. Wenn du im Internet Neutrale Musik suchst findest du auch nur Hinweise auf Hintergrundmusik, z.B. als neutrale Musik für Fotopräsentationen, Diashows, Präsentation einer Website etc., also für Musik die unterstützen, untermalen, oder einfach als angenehmes Geräusch wahrgenommen werden soll. Welche auch manchmal z.B. im Falle von Hintergrundmusik in Kaufhäusern als lästig empfunden werden kann. Als Hintergrundmusik kann jede Art-, jeder Stil von Musik in Frage kommen.

Auch den Begriff „Schwere Musik“ kann ich nicht literarisch hinterlegen, ich kenne nur den Begriff „Ernste Musik“ auch noch „Schwere Klassik, Schwere klassische Musik“ und wie erwähnt verstehe ich damit Werke von Richard Wagner, Beethoven oder auch Anton Bruckner und Rachmaninow (konkretes Beispiel: Klavierkonzert Nr3), die jeweils schwere, düstere Themen ausformen.

Ihr Didldu Moderator, Didldu-Robert

Von misitemanko
Altbestand seit 2013
Veröffentlicht 22. November 2013

Vielen Dank nochmal für Ihre ausführlichen und flotten Antworten.
Wissen Sie vielleicht auch ob man Tonhöhen in hohe, mittlere und tiefe Bereiche einteilen kann? Wo hört tief auf und wo beginnen hohe Töne? Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir nochmal weiterhelfen könnten. viele Grüße

Von Didldu-Robert
Mitglied, Moderator, Premium seit 2012
Veröffentlicht 10. Dezember 2013

Lieber Misitemanko,

ich bin momentan musikalisch ziemlich eingespannt,
deshalb nun etwas verspätet ein Versuch der Beantwortung deiner interessanten Frage.

Tonhöhen werden in Bereiche eingeteilt, in der Musik nennt man diese Oktaven.
Oktave ist die Entfernung von einem Stammton zum gleichnamigen aber nächst höheren. Beispiel unsere C-Dur Tonleiter, sie besteht aus den Tönen C D E F G A B C, also 8 Töne. Den ersten Ton bezeichnet man als Stammton, der nächst höhere ist wieder ein Stammton einer weiteren Oktave.
Alle 9 Oktaven unseres abendländischen Tonsystems sind:

Kontra-Oktave von ,C ( 32,7 Hz) bis ,B
Große- Oktvave von C ( 65,4 Hz) bis B
Kleine-Oktave von c (130,8 Hz) bis b
eingestrichene-Oktave von c’ (261,6 Hz) bis b’
zweigestrichene-Oktave von c’’ (523,2 Hz) bis b’’
dreigestrichene-Oktave von c’’’ ( 1047 Hz) bis b’’’
viergestrichene-Oktave von c’’’’ ( 2093 Hz) bis b’’’’
fünfgestrichene-Oktave von c’’’’’ ( 4186 Hz) bis b’’’’’

Anmerkungen: Von ‚C bis C sind es chromatisch (d.h. mit allen Halbtönen) 12 Töne, wenn wir so alle Töne der 9 Oktaven zusammenzählen, kommen wir auf 100 Töne. In den Klammern stehen die Schwingungen des Tones pro Sekunde (Hertz, abgekürzt Hz).

Genau zu sagen wo die einzelnen Bereiche (Hoch, Mittel, Tief) beginnen oder enden kann ich nicht, dies wird sicher auch individuell gefühlt. Daneben hängt es auch von der Art des Tones ab. So werden gleiche Töne von Männern, Frauen und verschiedenen Musikinstrumenten nicht gleich wahrgenommen oder bewertet. Man spricht hier auch von Hörpsychologie (Tonpsychologie). Für die Empfindung ist auch die Länge eines Tones maßgebend, ob Geräusch, Knall oder Klang.

Quelle: „dtv-Atlas zur Musik Band 1 (Akustik/Wellenlehre, Schwingungen, Ton, Tonhöhe, Tonhöhenempfindung…

Sehr gut finde ich auch den Artikel „Tonhöhe“. bei Wikipedia.

Ihr Didldu Moderator, Didldu-Robert

Von misitemanko
Altbestand seit 2013
Veröffentlicht 10. Dezember 2013

Vielen, vielen Dank!!! Ich hab gleich mal was positives auf eure Feedback-Seite geschrieben ;)

Von misitemanko
Altbestand seit 2013
Veröffentlicht 06. Mai 2015

Hallo Robert,

vielen vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort. Ist das Ganze auch literarisch hinterlegt, oder ist das eher eine subjektive Meinung?

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